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Wie man sich seinen ersten Drachen aussuchen sollte by Mike Meier |
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Es gibt einige Fragen…
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Dieser Artikel erschien in der Februarausgabe
1999 des Hang Gliding Magazins als ein Bericht neben dem Unfallreport
Neu oder gebraucht? Einfach- oder Doppelsegel?
Welches Leistungsniveau? Welcher Hersteller? Welches Model? Welche
Größe? Es gibt einige Fragen, über die ein Pilot nachdenkt, wenn er
bereit ist, sich seinen ersten Drachen zu kaufen. Und wo bekommt man
zuverlässige Informationen her? Wie entscheidet man sich zwischen
den verschiedenen und manchmal auch widersprüchlichen Ratschlägen,
was ist wahr?
Das
größte Problem, das die meisten Piloten zu haben scheinen, wenn sie
ihren ersten Drachen kaufen ist, dass sie keinen Drachen kaufen, aus
dem sie herauswachsen. Der Druck von außen das
Ansehen - unterstützt dies noch. Oh, du wirst keinen von diesen
wollen. Du wächst aus dem in ein paar Monaten heraus. Du brauchst
einen Doppelsegel-Hochleistungs-wähle-hier-Drachen. Das Ego
des Piloten, welches ein Hauptfaktor in dessen Entscheidungen bleibt,
unterstützt diesen Gedanken noch. Ich will mich nicht mit so
einem am Landeplatz sehen lassen. Die werden denken, dass ich nur
einer von diesen dummen Anfängern bin! Ich brauche einen von diesen
schnittigen Hochleistern, um wirklich ein richtiger Flieger zu sein.
Gedanken an zukünftige Ziele im Drachenfliegen spielen hier auch mit
rein. (Ich will bald auf Strecke gehen. Du kannst nicht mit
so einem auf Strecke gehen du brauchst eine bessere Gleitleistung.
Du brauchst eine höhere Gleitzahl!)
Dieses Verhalten und die Mißverständnisse und Mißwahrnehmungen, die
dazu führen, schaden dem Sport des Drachenfliegens wahrscheinlich
mehr, als irgendetwas Anderes. Schauen wir uns doch mal ein paar dieser
Mythen und ihren Zusammenhang mit der Realität an.
Mythos Nummer eins:
Die schlimmste Sünde in der Welt ist, etwas
zu kaufen, aus dem man herauswachsen wird. Dies ist ein interessanter
Gedanke. Wenn ich mit diesem konfrontiert werde, frage ich für gewöhnlich
den Piloten: Hast du Kinder? Als (Wenn) deine Tochter (oder,
falls du eine hättest), sechs Jahre alt und bereit war (ist), das
Fahrradfahren zu erlernen, hast (würdest) du ihr da ein großes Erwachsenenfahrrad
gekauft (kaufen), um sicher zu gehen, dass sie nicht aus diesem herauswachsen
würde? Fakt ist, dass Drachen, die für Anfänger konstruiert
wurden aus sehr gutem Grund existieren. Ein geeigneter Anfängerdrachen
hat hohe Stabilitäts- und Dämpfungseigenschaften. Er reagiert in einer
sanften und verzeihenden Art auf die Steuerbewegungen des Piloten
und ist dazu geneigt, das richtige für den Piloten zu tun, gerade
wenn dessen Steuerbewegungen weniger als perfekt sind. Ein Hochleistungsdrachen
tut nichts von dem; er reagiert langsam, wenn du schnell reagieren
mußt, (in der Rollachse, wenn langsam geflogen wird) und schnell,
wenn du langsam reagieren mußt (in der Rollachse, wenn schnell geflogen
wird und in der Querachse bei jeder Geschwindigkeit). Er tut nur exakt
das, was du ihm sagst, das er tun soll, und wenn du es ihm nicht mit
größter Präzision und in der exakt richtigen Zeit sagst, bekommst
du eine ganz sicher falsche Antwort. Die weitaus schlimmere Sünde
als etwas zu kaufen, aus dem du herauswachsen wirst, ist, etwas zu
kaufen, das über deinem Können liegt dies wird deine Leistungssteigerung
hemmen, deinen Lernprozess beträchtlich verlangsamen, deine Freude
stören und kann ganz einfach nur gefährlich sein. Dieses aus dem Drachen
herauswachsen ist ein interessanter Gedanke für sich.
Ich fliege wöchentlich mit den geschicktesten, erfahrensten und professionellsten
Piloten des Sportes. Ich wüßte keinen von ihnen, der sich aus diesem
Gedanken, einen Anfängerdrachen zu fliegen, herausgewachsen
fühlt.
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Mythos Nummer zwei und drei
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Mythos Nummer zwei:
Du brauchst einen Hochleistungsdrachen, um richtig
Drachenfliegen zu können. Dies ist eine bedeutende Vorstellung von
der Weise, wie sich unsere Gedanken zu Hochleistung über
die Jahre verändert haben. Der Drachen mit der niedrigsten Leistung,
den es heute gibt, hat eine größere Leistung als der beste Höchstleistungswettbewerbsdrachen,
den es vor 1980 gab. Diejenigen von uns, die Cross Country in den
70ern flogen, dachten sicherlich auch, dass wir richtig Drachen flogen.
Wohl nicht. Etwas, dass man sich über Dinge wie Streckenfliegen im
Hinterkopf behalten sollte ist, dass die erste erforderliche Voraussetzung
für Cross Country fliegen, das in der Luft bleiben ist. Die meisten
Strecken werden sowieso mit dem Wind geflogen und sogar Gleitschirme
fliegen heutzutage 350 Kilometer weit.
Mythos Nummer drei:
Ich bekomme automatisch bessere Leistungen mit
einem Hochleistungsdrachen. Dieser Mythos liegt einem weiteren Mißverständnis
zu Grunde der Gedanke, dass Leistung etwas ist, das dem Drachen
innewohnt. Leistung ist nicht in dem Drachen, es ist in der Beziehnung
zwischen dem Piloten und dem Drachen. Ein Hochleistungsdrachen hat
das Potential Hochleistung zu liefern aber diese Leistung ist nur
demjenigen Piloten verfügbar, der die Fähigkeit besitzt, sie herauszuholen.
Das Beispiel das ich benutze, um dies zu veranschaulichen ist eines,
das ich regelmäßig beobachten kann. Wenn wir zum Produkttestfliegen
gehen, enthält der Trailer normalerweise einen Mix aus Typen, alles
von Anfängerdrachen bis zu Wettbewerbsklasseflügeln. Alle Mitglieder
der Flugcrew haben in etwa die gleichen Fähigkeiten. Wenn es einfach
zu soaren ist, soart jeder. Wenn es keinen Aufwind gibt, fliegt niemand
lange. Doch dazwischen, wenn es nur vielleicht thermisch fliegbar
ist, aber auch wenn man nur alles richtig macht, passiert etwas bemerkenswertes.
Die Piloten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf Thermikfliegen
sind die, die mit den Drachen mit der geringsten Leistung
fliegen. Die mit der geringsten Wahrscheinlichkeit auf Thermikfliegen
sind die, mit der höchsten Leistung. Was geht hier vor
sich? Die Antwort ist einfach, wirklich. Thermikfliegen in den schlechtesten
und herausfordernsten Konditionen wenn der Bart eng, zerrissen
und turbulent ist verlangt dem Piloten die höchsten Fähigkeiten
ab, um den Drachen exakt dorthin zu steuern wohin er will und exakt
wann er es will. Mit jedem Können, gerade mit dem Höchsten, ist dies
am leichtesten mit einem Drachen getan, der die Eigenschaften besitzt,
ein gutes Feedback zu liefern und dessen Reaktionen leicht voraussehbar
sind; sprich ein Anfängerdrachen. Der kleine Vorteil der höheren
Leistung, den die Wettbewerbsflügel bieten, kann das Defizit
an Handling in diesen sehr schwierigen Konditionen nicht ausgleichen.
Man beachte, dass wir hier über das höchste Pilotenkönnen reden. Was
passiert, wenn das Pilotenkönnen geringer ist? Die Antwort ist, dass
das, was hier wahr ist, in einem größeren Bereich der Bedingungen
wahr wird. Anstatt in den schwierigsten Bedingungen mit niedrigen
Fähigkeiten ständig aufmerksam zu sein, kann man dieses Phänomen der
umgekehrten Leistung in Konditionen beobachten, die nur
leicht herausfordernd sind. Auf dem niedrigsten Fähigkeitsgrad (der
Pilot hat sich gerade seinen ersten Drachen gekauft) wirst du diese
Leistungsumkehrung unter praktisch ALLEN Flugbedingungen sehen. Der
Hochleistungsdrachen ist in Wirklichkeit der Niedrigleistungsdrachen.
Eine anderer Gedanke ist, dass ja die Gleitzahl des Drachens nur wirksam
ist, wenn der Drachen in der Luft ist. Wenn du den Drachen nicht effektiv
genug fliegen kannst, um den Aufwind erfolgreich zu nutzen, wirst
du nicht in der Luft, sondern am Boden sein. Und wenn du erstmal am
Boden stehst, nützen dir die drei Extrapunkte an Gleitzahl absolut
gar nichts.
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Mythos Nummer vier
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Mythos Nummer vier:
Verglichen mit anderen Flugzeugen sind Drachen
einfach zu fliegen. Dies ist ein schwerwiegender Mythos. Ich kann
mir nur vorstellen, dass er überlebt, weil nur eine kleine Prozentzahl
von Drachenfliegern auch andere Flugzeuge fliegen. Und früher war
dies kein Mythos, es war wahr. Die alten Standard Rogallos und die
besseren Exemplare der ersten Generation von Drachen, die aus diesen
entwickelt wurden, waren einfache Flugzeuge zum Fliegen. Wenn es die
nicht gegeben hätte, dann wäre es dem Drachenfliegen nicht möglich
gewesen so explosionsartig anzuwachsen, wie es das tat, als so viele
Piloten es sich weitgehend bzw. vollständig selbst beibrachen. Aber
durch die Nachfrage nach höherer Leistung, entwickelte sich das Design
weiter und die neueste Konstruktion von 1977 war schon zu schwierig
zu fliegen für den durchschnittlichen Fähigkeitsgrad der Piloten,
die sie flogen. (Diese Bilder von Crashs welche meinen Artikel über
Sicherheit in der Septemberausgabe vom letzten Jahr begleiteten, wurden
bei den 77er Südkalifornischen Regionalmeisterschaften aufgenommen
und es sind Fotos die Wettbewerbspiloten zeigen, die selbst unfähig
zu einer einfachen Landung sind!) Heute verlangt schon der am einfachsten
zu fliegende Anfängerdrachen mehr Können in den meisten Phasen des
Fluges, als eine Cessna 172 oder ein Segelflugzeug vom Typ Schweizer
223. Wenn du mir nicht glaubst, dann geh an einem Samstag und nimm
eine Einweisungsstunde in beidem. Ich habe in den letzten zwei Jahren
kein Segelflugzeug mehr geflogen, doch ich könnte morgen zum Flugplatz
gehen und eins fliegen und hätte weniger Sorge während meiner Landung
als mit einem Hochleistungsdrachen, wenn ich auf einem thermischen
Landeplatz um die Mittagszeit landen müßte, was ich mehrmals pro Woche
tue.
In meiner Beobachtung des Durchschnitts würde ich sagen, dass der
durchschnittliche Pilot einen Drachen fliegt, der eine ganze Ebene
über seinen Fähigkeiten liegt
Piloten, die denken, dass Drachen im allgemeinen einfach zu fliegen
sind, denken für gewöhnlich eher daran, sich einen Drachen auszusuchen,
der am äußersten Ende des Leistungs-/Fähigkeitsniveaus liegt. Ein
Pilot, der erkennt, dass eben gerade der am einfachsten zu fliegende
Drachen mehr herausfordernd ist, als das was der durchschnittliche
Genußflieger eines Motor- oder Segelflugzeuges fliegt, würde ihm das
Einverständnis geben, einen Drachen zu kaufen, der eher in seinen
Grenzen liegt. In meiner Beobachtung des Durchschnitts würde ich sagen,
dass der durchschnittliche Pilot einen Drachen fliegt, der eine ganze
Ebene über seinen Fähigkeiten liegt. Die Piloten, die ich unter Wettbewerbsdrachen
sehe, würden bessere Leistungen bringen und mehr Spass haben (und
sicherer fliegen) unter Intermediate Drachen und Piloten, die ich
unter Intermediate Drachen sehe, würden besser mit Anfängerdrachen
fliegen.
Im wesentlichen ist der wichtigste Aspekt, den du bei der Wahl deines
ersten Drachens beachten solltest, einen zu kaufen, der Anforderungen
an dich stellt, die gut in deinen Fähigkeitsbereich passen. Deine
Sicherheit, deine Aussichten auf Erfolg, deine Erfolgsrate, (dein
Budget für Ersatzteile) und die Wahrscheinlichkeit den Sport weiterhin
zu betreiben, werden alle von deiner Entscheidungsgüte abhängen.
Danach sind alle restlichen Entscheidungen sehr einfach.
Neu oder gebraucht?
Kaufe neu, wenn du kannst. Wenn nicht, kaufe
gebraucht, aber bezahle dafür, es von einem professionellen Geschäft
checken zu lassen. Und bezahle lieber mehr Geld für einen Drachen,
der eher für dich geeignet ist, als ein wenig Geld an einem Drachen
zu sparen, der nicht deinem Können entspricht. (Es gibt einen Grund
dafür, dass ein sieben Jahre alter Wettbewerbsdrachen so billig ist;
es gibt keine Nachfrage nach so einem, da er nicht mehr wettbewerbsfähig
genug ist, für die Piloten, die das Können haben, ihn zu fliegen und
er wirklich nicht geeignet ist für Piloten mit weniger Erfahrung.)
Welcher Hersteller?
Nun ja, also das würde hier unfaire Vorteile
bringen. Du entscheidest dies.
Welche Größe?
Frag direkt den Hersteller. Ruf ihn an. Spirch
mit dem Konstrukteur oder mit einem der Testpiloten des Herstellers.
Kaufe KEINEN auf Grund von Nummern oder Spezifikationen oder was irgendjemand
schrieb in irgendwelchen Büchern oder was irgendjemand sagte auf seiner
persönlichen Webseite. Die Leute, die wissen welche Drachengröße du
fliegen solltest, sind die Leute, die den Drachen konstruiert und
hergestellt haben. Frag sie. Bring den Gedanken hinter dich, das der
Hersteller den Anreiz dazu hat, dir falsche Informationen zu geben.
Sein Anliegen besteht darin, sicherzugehen, dass du den, für dich
besten Drachen bekommst, damit du dabeibleibst, Spass hast und irgendwann
einen neuen von ihm kaufst.
Und alles, was nach alldem übrig bleibt ist, Spass zu haben. Und du
wirst Spass haben, wenn dus richtig machst. Drachenfliegen ist
ein absoluter kick in the pants wenn du Erfolg, keine
Angst davor hast, keine Teile brichst und dir nicht wehtust. Und der
Hauptschlüßel dazu ist, den richtigen Drachen auszusuchen.
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